Schlichtes Wohnambiente
Schlichtheit als Lebensstil ?!
Schlichtheit ist der Verzicht auf Unnötiges. Gestalterische Enthaltsamkeit. Schlicht bedeutet: sich auf das Wesentliche konzentrieren. Ein Lebensstil kann schlicht sein. Schlicht ist nicht langweilig. Vielmehr ist es eine innere Haltung, Einfachheit, Lockerheit, Geradlinigkeit. Doch das schließt den Spaß am Leben nicht aus. Vielmehr verzichtet man auf Schnörkel, Umwege. Schlicht bedeutet oft einfach, den Kern einer Sache zu fassen, losgelöst von der Schale, dem Drumherum. Detailreichtum ist nicht bedeutsam. Weniger ist mehr. Für manche Menschen bedeutet das den Verzicht auf Luxus. Mahatma Gandhi beispielsweise verzichtete auf alles, was nicht essenziell war. Für ihn war dies eine Lebenseinstellung, ein Weg, nach außen zu tragen, was er für richtig hielt. Auch der Dalai Lama ist eine Persönlichkeit, die Einfachheit lebt. Sein Leben entbehrt jeden Luxus. Wichtig ist, die Quintessenz des Seins zu begreifen, in seiner puren, reinen Form.
Auch die moderne Architektur setzt auf Minimalismus
Moderne Architekten setzen mittlerweile auf Schlichtheit. Ihre absoluten Vorzeige-Projekte sind oftmals ein Sinnbild des Purismus. Klare Strukturen und ruhige, monolithische Formen dominieren diesen Baustil. Häufig haben diese Bauten kein Dach – es wird auf alles verzichtet, was das Auge vom eigentlich Wichtigen ablenkt. Und das wichtige ist die Klarheit, die Präzision. Die Wahl der Materialien ist dabei ein entscheidender Punkt. Häufig wird Beton gewählt, der unverputzt bleibt. Die Rauheit ist erwünscht, die Fassade soll bar bleiben. Die augenscheinliche Härte unterstreicht den Effekt zusätzlich. Es geht um Kontraste der Materialien, die Formen des Gebäudes selbst. Nichts soll davon ablenken. Auch die Innenarchitektur wendet sich heute zunehmend dem Minimalismus zu. Funktionalität, Offenheit und Größe dominieren die modernsten Gebäude. Die Räume sollen möglichst geräumig sein, der Loft-Charakter ist immer stärker gefragt. Die Innenarchitektur setzt ebenfalls auch klare Linien und Purismus – es soll schlicht und trotzdem schön sein. Couches und Sofas werden einfarbig bevorzugt, sollen jedoch nur optisch klar und schlicht wirken – und sind vom Komfort her oftmals wesentlich weicher, als sie scheinen. Trotz aller Reduktion soll man sich wohlfühlen.
Purismus und Wärme schließen sich keinesfalls aus
Eine in schwarz, grau und weiß gehaltene – also farblich äußerst schlichte – Wohnung kann akzentuiert werden durch blutrote Kissen, die einen deutlichen Kontrast bilden und so die ganze Aufmerksamkeit auf sich lenken. Auch ausladende, farbige Vasen können als Dekoration aufgestellt werden. Das Element der Größe jedoch zieht sich oftmals wie ein roter Faden durch den Raum. Minimalismus verzichtet auf Kleinlichkeit – ebenso auf zu detailreiche Elemente. Betonung wird erreicht durch Farbe und Kontrast. So kann man beispielsweise auch ein Möbelstück wie einen Schreibtisch durchaus knallig anstreichen. Wichtig dabei ist nur, dass Details eine Seltenheit bleiben. Denn so bleibt weniger mehr.